DGNB
Innenräume

Möbel im DGNB System

Spielte die Möblierung bei der Vergabe eines DGNB Zertifikats lange Zeit keine Rolle, so hat sich dies mit der Einführung des Nutzungsprofils „Innenräume" geändert. Da hierbei der Fokus auf dem Ausbau liegt und Möbel einen wichtigen Einfluss auf die Nachhaltigkeitsqualität der Innenräume haben, werden sie in diesem Nutzungsprofil auf vielfältige Weise adressiert. So werden Möbel in fast jedem Kriterium bei der Zertifizierung berücksichtigt. Wird die Möblierung in einem Kriterium nicht explizit genannt, fließt sie oft indirekt in die Bewertung mit ein.

Die folgende Liste gibt Möbelherstellern, Bauherren und Innenarchitekten einen Überblick darüber, was von der Möblierung bei der DGNB Zertifizierung für nachhaltige Innenräume erwartet wird, welche Produktinformationen benötigt werden und für welche Aspekte Nachweise erforderlich sind.

Blick auf die Kriterien

KRITERIUM RELEVANZ DER MÖBLIERUNG
Umweltwirkungen über den Lebenszyklus Bewertet wird, wenn für die Möblierung eine Ökobilanz erstellt wird. Je größer der Anteil der Möblierung ist, desto gewichtiger ist ihr Anteil bei der Bewertung. Dies kann bis zu 50 Prozent ausmachen. Werden Möbel wiederverwendet, können dadurch eingesparte Umweltbelastungen in die Bewertung eingehen. Positiv bewertet wird daneben, wenn für die eingesetzten Möbel Umweltproduktdeklarationen (EPD) vorliegen und wenn der Möbelhersteller die Lieferung von Ersatzteilen über einen langen Zeitraum und Reparaturanleitungen zur Verfügung stellt.
Risiken für die lokale Umwelt Möbel sollen schad- und risikostoffarm sein. Stoffe, die Mensch, Flora und Fauna beeinträchtigen oder schädigen sollen vermieden, reduziert und substituiert werden.
Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung Die Rohstoffe, die für die Herstellung der Möbel benötigt werden, sollen in allen Herkunftsländern unter ökologischen, fairen und menschenwürdigen sozialen Mindeststandards gewonnen und verarbeitet werden. Recycling ist eine alternative Möglichkeit, um die Gewinnung von Primärstoffen und die damit verbundenen negativen Auswirkungen zu reduzieren.
Energieeffizienz und Klimaschutz Positiv bewertet wird, wenn Möbel klimaneutral hergestellt werden.
Kosten über den Lebenszyklus Die Möblierung ist Teil der Lebenszykluskostenberechnung. Je größer der Anteil der Möbel ist, desto gewichtiger ist ihr Anteil bei der Bewertung. Positiv in die Bewertung kann einfließen, wenn ein wesentlicher Anteil der Möbel wiederverwendet ist oder eine lange Lebensdauer zu erwarten ist.
Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit Positiv bewertet wird, wenn modular erweiterbare, veränderbare Möbel verwendet werden, die sich mit wenig Aufwand an neue Anforderungen anpassen lassen.
Innenraumluftqualität Bei der Zertifizierung wird die Innenraumluftqualität gemessen. Die Atemluft soll sauber und gesund sein. Möbel sollen sich nicht negativ auf die Messung auswirken. Das Messergebnis fließt gut zur Hälfte in die Bewertung des Kriteriums ein.
Aufenthaltsqualität Es sollen Räume für Kommunikation, Familienfreundlichkeit und Freizeit geschaffen werden, die das soziale Miteinander und den Austausch untereinander stärken. Die Möblierung wird nicht explizit erwähnt, spielt bei der Umsetzung aber eine wesentliche Rolle. Daneben wird positiv bewertet, wenn ein detailliertes Möblierungskonzept vorliegt, das die Möblierung als Bestandteil des Gestaltungskonzepts integriert.
Gesundheitsfördernde Angebote Positiv belohnt wird, wenn Möbel angeboten werden, die ergonomisch sind und eine tätigkeits- und bedarfsorientierte Arbeitsplatzgestaltung unterstützen – beispielsweise höhenverstellbare Tische, Besprechungsräume mit Stehtischen oder Bürostühle, die sich dem Körper anpassen und sich mitbewegen. Die Möblierung macht in diesem Kriterium bis zu 40 von 100 Punkten aus.
Barrierefreiheit In der höchsten Qualitätsstufe sollen mindestens 95 % aller Arbeitsstätten barrierefrei sein. Bei den anderen Qualitätsstufen ist der Anteil geringer. Das bedeutet, auch wenn es nicht explizit erwähnt wird, dass dies auch in der Möblierung berücksichtigt werden sollte. Dies kann in Form von unterfahrbaren Tischen oder im Bereich Shopping durch gut erreichbare Verkaufsvitrinen erfolgen.
Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit Positiv bewertet wird, wenn Möbel leicht zu demontieren und zu reparieren sind und aus möglichst sortenreinen und leicht recycelbaren Materialien bestehen. Ebenso, wenn die Möbel wiederverwendet werden oder Teil eines Leasings- oder Rücknahmeprogramms sind.
Konzeptionierung und Voraussetzungen für eine optimale Nutzung Bewertet werden Konzepte, die eine optimale Nutzung unterstützen. Im Reinigungskonzept können Empfehlungen zu Putzweise und Reinigungsmittel für Möbelstücke beschrieben werden. Im Konzept zur Instandhaltungs- und Rückbaufreundlichkeit sollte die Möblierung ebenfalls eine Rolle spielen. Daneben kann positiv bewertet werden, wenn Wartungs-, Inspektions-, Betriebs- und Pflegeanleitungen für Möbel vorliegen.
Nutzerkommunikation Die Nutzer werden über gesundheitsfördernde Eigenschaften der Möblierung, über verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung und andere Nachhaltigkeitsaspekte der Möblierung informiert. Dies kann über einen Nachhaltigkeitsleitfaden, ein Informationssystem oder ein Nutzerhandbuch geschehen. Daneben können Bedienungsanleitungen oder der Kontakt zu Ansprechpartnern für Reparaturen Teil der Nutzerkommunikation sein.

Was heißt das für Möbelhersteller?

Damit Möbelhersteller mit ihren Produkten bei zertifizierten Projekten ausgewählt werden, müssen sie sich mit den vielfältigen Anforderungen auseinandersetzen. Sie sollten sich beispielsweise darauf einstellen, bei Herstellung, Produktion und den späteren Nutzungseigenschaften den gesamten Lebenszyklus zu betrachten. Sie sollten Materialen verwenden, die unter fairen Bedingungen gewonnen wurden und zudem schad- und risikostoffarm sind. Zudem sind bei nachhaltigen Innenraumprojekten Möbel gefragt, die nutzerfreundlich, flexibel und leicht demontier- und recyclebar sind.

Möbelhersteller erleichtern Planern und Auditoren die Arbeit, wenn sie EPDs, Nachweise über Materialeigenschaften, Nachweise von Rohstofflieferanten oder Pflegeanleitungen vorlegen können. Obenstehende Liste gibt eine Übersicht darüber, welche Informationen in Zukunft verstärkt nachgefragt werden.

Produktlabels, die Sie bei der DGNB Zertifizierung nachhaltiger Innenräume unterstützen und die Sie anrechnen lassen können, finden Sie hier.

Zusätzlich gibt es mit dem DGNB Navigator die Möglichkeit, Informationen über das Möbelstück transparent den Planern und Auditoren online zur Verfügung zu stellen.

Was heißt das für Planer?

Die Möblierung ist Bestandteil diverser im Nutzungsprofil bewerteter Konzepte. Daher wirkt sich eine durchdachte Auswahl der Möbel positiv auf das Zertifizierungsergebnis aus. Genügen die Möbel den Anforderungen der DGNB hingegen nicht, gibt es eine entsprechend schlechtere Bewertung. Da die Anforderungen an Möbel vielfältig sind, sollten Planer die Möblierung von Anfang an in die Planung einbeziehen und sich mit den relevanten Aspekten frühzeitig vertraut machen. Die DGNB Akademie bietet hierzu regelmäßig Veranstaltungen und Fortbildungen an.

Zahlreiche Kriterien bewerten es positiv, wenn bereits benutzte Möbel in den neuen Räumen verwendet werden. Wird in neue Möbel investiert, verringert sich der Aufwand erheblich, wenn Möbelhersteller ausgewählt werden, die entsprechende Nachweise vorlegen können.

IHRE ANSPRECHPARTNERIN

Pascale Klaunig
Leiterin Markttransformation
Telefon: +49 711 722322-37
p.klaunig at dgnb.de

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