DGNB
DGNB System Version 2017

Circular Economy

Die Förderung des bewussten Umgangs mit Ressourcen zählt ebenfalls seit Anfang an zu den DGNB Kernthemen. Dabei geht es um die vorausschauende Auswahl von Produkten hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe im Kontext der Anwendung genauso wie um die Berücksichtigung möglicher baulicher Veränderungen während der Nutzung. Auch der spätere Gebäuderückbau sollte als Faktor bei der Produktauswahl bereits in der Planung berücksichtigt werden.

Für die Version 2017 haben wir dieses Themenfeld konsequent ausgebaut und weitergehend im System verankert. Die DGNB setzt sich mit ihrem Zertifizierungssystem somit dafür ein, dass Materialkreisläufe für eine spätere Wieder- oder Weiterverwendung gemäß der Cradle-to-Cradle-Philosophie bereit stehen – über neue Geschäftsmodelle sowie eine verantwortungsvolle und vorausschauende Produktentwicklung. Damit ist das DGNB System das erste seiner Art, das Circular-Economy-Lösungen auf der Gebäudeebene bewertbar und messbar macht. Um hier neue Ansätze zu fördern, werden diese Lösungen über entsprechende Boni belohnt, die sich positiv auf das Zertifizierungsergebnis auswirken.

Liste der Kriterien mit Circular Economy Boni

KRITERIENNAME BEITRAG ZUR CIRCULAR ECONOMY BEWERTUNG
Ökobilanz des Gebäudes Das Gebäude produziert mehr Energie (Wärme oder elektrische Energie) als es für den gebäudebedingten Eigenbedarf benötigt. Die bereitgestellte Energie wird für Mobilitätsangebote des betrachteten Gebäudes, für andere Gebäude oder für andere für Nutzer im gleichen Quartier genutzt. Der Energieüberschuss wird in
der Ökobilanz erfasst und geht
bilanziell in die Bewertung ein.
Der Beitrag zur Circular
Economy ist damit vollständig
im Indikator „Ökobilanz
Vergleichsrechnung"
implementiert.
Ökobilanz des Gebäudes Im Gebäude werden Bauteile aus anderen Gebäuden wiederverwendet. Die durch die
Wiederverwendung
eingesparten
Umweltbelastungen werden in
der Ökobilanz erfasst und
gehen bilanziell in die
Bewertung ein. Der Beitrag zur
Circular Economy ist damit
vollständig im Indikator
„Ökobilanz Vergleichsrechnung"
implementiert.
Verantwortungsbewusste Ressourcenverwendung Verantwortungs-bewusste Ressourcen-verwendung
Im Gebäude werden Sekundärrohstoffe eingesetzt und vermindern damit das aktuelle Abfallaufkommen und den Verbrauch von Primärressourcen.
Der Einsatz von
Sekundärrohstoffen wird zum
jeweiligen Anteil in der
Rohstoffgruppe als Alternative
zu nachweislich
verantwortungsbewusst
gewonnenen Primärrohstoffen
gewertet und kann in die
Bewertung einfließen. Der
Beitrag zur Circular Economy ist
damit vollständig im Kriterium
implementiert.
Biodiversität Eine Fassadenbepflanzung vergrößert die am Grundstück vorhandene Biotopfläche. Maximaler CE Bonus:
+10 Punkte bei
Biotopflächenfaktor > 30.
Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen Regenwasser oder Grauwasser wird im Gebäude als Ersatz von Trinkwasser für Bewässerung, Spülwasser oder vergleichbar genutzt. Das eingesparte Trinkwasser
und reduzierte
Abwasseraufkommen wird in
der Ermittlung des
Wasserkennwerts erfasst und
geht bilanziell in die
Bewertung ein. Der Beitrag
zur Circular Economy ist damit
vollständig im Kriterium
implementiert.
Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus Im Gebäude wird nachweislich ein wesentlicher Anteil an Bauteilen wiederverwendet oder durch Geschäftsmodelle umgesetzt, die der Idee der Circular Economy („As a Service"-Modelle, Mieten von Bauteilfunktionen o.ä.) entsprechen. Maximaler CE Bonus: +10
Punkte, pro umgesetzte
Circular Economy Lösung 5
Bonuspunkte.
Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit Im Gebäude sind für einen Flächenanteil von mind. 50 % der Nutzfläche Flächen-nutzungskonzepte umgesetzt, die eine höhere Nutzungsintensität (über höhere Nutzeranzahl oder unterschiedliche Nutzungszeiten) ermöglichen. CE Bonus: +10 Punkte
Marktfähigkeit Mindestens ein Unternehmen / Akteur trägt als Nutzer / Mieter des Gebäudes aktiv zur Circular Economy bei. Dies erfolgt direkt im Gebäude oder am Standort über ein gemeinsames Stoffstrommanagement oder ähnliche Kollaborationsformen mit einem weiteren Unternehmen / Akteur im nahen Umkreis zum Gebäude. CE Bonus: +10 Punkte
Einsatz und Integration von Gebäudetechnik Im Gebäude wird für die Deckung des gebäudebedingten oder nutzerbedingten Energiebedarfs kontinuierlich Energie genutzt, die im umgebenden Quartier aus regenerativen Energieträgern generiert wird (mind. 10 % des gebäudebedingten Endenergiebedarfs). CE Bonus: +10 Punkte
Einsatz und Integration von Gebäudetechnik Das Gebäude stellt Speicherkapazitäten in nicht unwesentlichem Umfang (bezogen auf den Endenergiebedarf des Gebäudes) im Sinne einer Netzdienlichkeit bereit. CE Bonus: +10 Punkte
Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit Im Gebäude werden Bauteile wiederverwendet oder Bauteile eingesetzt, die heute bereits nachweislich einer werkstofflichen Verwertung zu einem vergleichbaren Produkt zugeführt werden. Maximaler CE Bonus: +20
Punkte (1 Punkt je Bauteil)
Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit Im Gebäude werden auf den Einsatz von üblicherweise für diese Nutzung eingebaute Bauteile komplett verzichtet. Die Lösung vermeidet plausibel und nachweislich den Einsatz von Roh- oder Sekundärstoffen in wesentlichem Umfang. Maximaler CE Bonus: +20
Punkte (1 Punkt je Bauteil)
Mobilitätsinfrastruktur Am Gebäude stehen Stellplätze für Car-Sharing oder vergleichbare Mobilitätsangebote in unmittelbarer Nähe zum Eingang zur Verfügung. CE Bonus: +5 Punkte
Mobilitätsinfrastruktur Am Gebäude stehen Abstellplätze für Bike-Sharing oder vergleichbare Mobilitätsangebote in unmittelbarer Nähe zum Eingang zur Verfügung. CE Bonus: +5 Punkte
Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe In den Ausschreibungen werden Recyclingmaterialien ausdrücklich nicht ausgeschlossen oder es sind Anforderungen an die Bauprodukte formuliert, die eine Wiederverwendung oder die Nutzung von Sekundärmaterialien explizit empfehlen oder fordern. CE Bonus: +5 Punkte
Baustelle / Bauprozess Auf der Baustelle werden neuartige und in wesentlichem Umfang abfallvermeidende Konzepte, Bauweisen oder Technologien umgesetzt. CE Bonus: +10 Punkte
Nähe zu nutzungsrelevanten Objekten und Einrichtungen Im oder am Gebäude werden neuartige Angebote für Gebäudenutzer oder Externe zur Versorgung gemacht und baulich umgesetzt oder vorgesehen wie z.B. Lebensmittel-Anpflanzungen, Bienenstöcke (Urban Farming), oder es werden konstant oder regelmäßig Flächen zum nachbarschaftlichen Austausch von Dienstleistungen untereinander angeboten wie z.B. temporäre Handelsflächen, Repair Cafés, Nachbarschaftstreffs.  CE Bonus: +10 Punkte

Die weiteren Kernthemen in der Version 2017 des DGNB Systems:

 

IHRE ANSPRECHPARTNERIN

Dr. Anna Braune
Leiterin Forschung und Entwicklung
Telefon: +49 711 722322-67

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